Der perfekte Tag in … Ottiglio Monferrato

Indian Summer im Monferrato

Wenn im Oktober die Weinlese vorbei ist, beginnt im Monferrato die schönste Zeit des Jahres. Die Reben färben sich in den schönsten Herbstfarben, morgens liegt Nebel in den Tälern und meistens ist es nachmittags warm genug für einen Aperitivo in der Sonne – unser Lieblingsritual.

Die Italiener nennen diese späte Wärme „l’estate di San Martino“, den Sommer des heiligen Martin. Wir finden Indian Summer geläufiger und nicht weniger passend. Gemeint ist dasselbe: goldenes Licht, klare Fernsicht bis zu den schneebedeckten Alpen und Tische, an denen tolle Gerichte mit Trüffel, Steinpilzen, Kastanien und Kürbis auf den Teller kommen.

Das erste Dorf, das wir für unsere neue Reihe „Der perfekte Tag in …“ ausgesucht haben, steht nur in ganz wenigen Reiseführern obwohl es so viel zu bieten hat: Ottiglio Monferrato. Ein Tag mit Spaziergang, Weinprobe, langem Mittagessen und Aperitivo. Als kleines Regalo haben wir am Ende dieses Artikels ein Rezept, mit dem du den traumhaften Herbst im Monferrato nach Hause holst.

Ottiglio und Moleto: das goldene Dorf auf dem Hügel

Ottiglio liegt rund 15 Kilometer westlich von Casale Monferrato, mitten im Basso Monferrato, dem Kerngebiet des UNESCO-Welterbes. Die Häuser kleben wie Trauben am Hang, gebaut aus Pietra da Cantoni, dem honiggelben Mergelstein, der hier seit Jahrhunderten abgebaut wird.

Der eigentliche Schatz ist der Ortsteil Moleto. Eine einzige Straße führt durch das Dörfchen mit seinen knapp zwanzig festen Einwohnern, oben auf dem Kamm öffnet sich der Blick über die Hügel, die Po-Ebene und an klaren Herbsttagen bis zum Alpenbogen.

Das musst du sehen:

  • Die alten Steinbrüche: Bis ins 20. Jahrhundert wurden hier Blöcke aus Pietra da Cantoni gebrochen. Daher stammt auch der Name des Restaurants, in dem wir mittags essen.
  • Die Legende vom Sarazenenschatz: Ende des 18. Jahrhunderts sollen Räuber ihre Beute in den Höhlen versteckt haben, bis ein Erdrutsch sie samt Schatz verschüttete. Gefunden hat ihn bis heute niemand.
  • San Michele: Die kleine romanische Kirche wurde 1968 Stein für Stein hierher versetzt, um sie vor dem Steinbruch zu schützen.
  • Ein Hauch Hollywood: Der Vater des Schauspielers Ernest Borgnine stammte aus Ottiglio. 2006 wurde Borgnine Ehrenbürger.

Tipp: Parke unten am Ortseingang und geh die paar hundert Meter zu Fuß. An Tagen mit Veranstaltungen ist eine Durchfahrt eh nicht möglich.

Vormittag: Weinprobe in der Cascina Montecchio

Wir starten den Tag dort, wo es am schönsten ist: auf dem Weinberg. Die Cascina Montecchio ist ein junges Familienweingut in Ottiglio. Chiara Repetto und ihr Schwager Alessandro Mazza haben Land und Reben von Chiaras Vater Franco übernommen und machen heute frische, moderne Weine und veranstalten tolle Events.

Die Rebzeilen laufen bis hinunter zu einem kleinen See. Ins Glas kommen die Klassiker der Gegend:

  • Il Custode: Grignolino del Monferrato Casalese DOC, hell rubinrot, blumig, mit pfeffrigem Abgang. Die Rebsorte des Casalese schlechthin.
  • Carina: Barbera d’Asti DOCG, fruchtig und unkompliziert.
  • Posapiano: Barbera d’Asti Superiore DOCG, die kräftigere Variante. Genau der richtige Wein für unser Rezept am Ende.
  • Abbacinante: ein Spumante nach Charmat-Methode, falls du lieber mit Bläschen in den Tag startest.

Die Weinprobe unbedingt vorher anfragen, telefonisch unter +39 377 096 2048 oder per Mail an cascinamontecchio@gmail.com. Und eine Flasche Posapiano mitnehmen, die brauchst du um das Rezept nachzukochen.

Mittag: Pranzo in den Cave di Moleto

Nach der Weinprobe geht’s mit dem Auto zum Cave di Moleto, einem Restaurant in einem alten Gutshof aus Tuffstein mit geschlossenem Innenhof. Gegessen wird in den ehemaligen Ställen oder, wenn die Herbstsonne mitspielt, draußen im Hof.

Auf den Tisch kommt die Küche des Monferrato, mal ganz klassisch, mal mit modernem Dreh. Auf der Karte findest du je nach Saison Gerichte wie Battuta di Fassona (Tatar vom piemontesischen Rind), Vitello tonnato nach alter Monferrato-Art oder Agnolotti mit Bratensauce. Im Herbst lohnt es sich, nach Trüffel und Pilzen zu fragen, falls die nicht eh schon auf der Karte stehen.

Plane Zeit ein: Ein Pranzo im Piemont dauert gerne über 2 Stunden und genau das ist der Sinn der Sache. Reservierung unter info@cavedimoleto.it oder +39 0142 617005, Adresse Frazione Moleto Basso 4, Ottiglio.

Die Karte wechselt, frag also am besten nach den Tagesgerichten.

Abend: Aperitivo bei Torno Subito

Nach einem Verdauungsspaziergang durch Moleto endet der Tag ein paar Häuser weiter bei Torno Subito. „Torno subito“ heißt „Bin gleich zurück“, und genau dieses Gefühl hat man, wenn man geht.

Torno Subito ist Locanda, Café, Restaurant und kleine Boutique in einem, gegründet von Leuten, die aus Frankreich nach Moleto gekommen sind und sich in das Dorf verliebt haben. Zwischen den Regalen findest du Kleidung, Schmuck, Geschirr und Spezialitäten aus dem Monferrato.

Bestell ein Glas Wein aus der gut sortierten Karte und dazu etwas Kleines aus der Küche. Gäste schwärmen besonders vom Friciulin, einem piemontesischen Pfannkuchen. Wenn die Sonne über den Hügeln untergeht und das Tal im Dunst verschwindet, weißt du genau, dass dieser Tag perfekt war.

Wer nicht mehr fahren mag, bleibt einfach: Torno Subito hat auch Zimmer. Kontakt: Frazione Moleto 8, Ottiglio, +39 345 346 0694, info@tornosubitomoleto.it.

Das Rezept: Brasato al Barbera

Der Herbst im Monferrato schmeckt nach Schmorbraten. Brasato al Barbera ist Rindfleisch, das über Nacht in Barbera mariniert und dann stundenlang sanft schmort. Genau richtig für den ersten kühlen Sonntag und die Flasche Posapiano aus der Cascina Montecchio findet hier ihre Bestimmung.

Für 4–6 Personen

Zutat

Menge

Rindfleisch zum Schmoren (Schulter, Bürgermeisterstück oder Wange)

1,2 kg

Barbera d’Asti

1 Flasche (0,75 l)

Zwiebel

1 große

Karotten

2

Stangensellerie

2 Stangen

Knoblauchzehen

2

Lorbeerblätter

2

Rosmarin

1 Zweig

Salbei

ein paar Blätter

Gewürznelken

2

Zimtstange

1 kleines Stück

Wacholderbeeren

4

Pfefferkörner

1 TL

Butter

30 g

Olivenöl

2 EL

Salz

nach Geschmack

  1. Marinieren: Gemüse grob würfeln. Fleisch mit Gemüse, Kräutern und Gewürzen in eine Schüssel geben, mit dem Wein übergießen. Abgedeckt 12–24 Stunden in den Kühlschrank stellen.
  2. Anbraten: Fleisch herausnehmen und gut trockentupfen. Butter und Öl in einem schweren Bräter erhitzen, das Fleisch rundherum kräftig anbraten.
  3. Schmoren: Gemüse aus der Marinade dazugeben und kurz mitrösten. Mit der Marinade ablöschen, salzen, Deckel drauf. Bei kleiner Hitze 2,5–3 Stunden schmoren, gelegentlich wenden.
  4. Sauce: Fleisch herausnehmen und ruhen lassen. Gewürze (Lorbeer, Zimt, Nelken) entfernen, Gemüse mit dem Fond fein pürieren und etwas einkochen.
  5. Servieren: Fleisch in Scheiben schneiden und mit reichlich Sauce anrichten. Dazu passen Polenta oder Kartoffelpüree.

Weintipp: Zum Essen den gleichen Barbera trinken, mit dem du gekocht hast. Das ist im Piemont fast schon Gesetz.

Der Tag auf einen Blick

Uhrzeit

Programm

Ort

Kontakt

10:30

Weinprobe

Cascina Montecchio, Ottiglio

+39 377 096 2048

13:00

Pranzo

Cave di Moleto, Frazione Moleto Basso 4

+39 0142 617005

15:30

Spaziergang durch Moleto

Ortskern und Aussichtspunkt

–

17:30

Aperitivo

Torno Subito, Frazione Moleto 8

+39 345 346 0694

Anreise: Das Auto ist hier ein Muss da keine öffentlichen Verkehrsmittel herfahren. Von Casale Monferrato sind es rund 15 Kilometer, von Asti und Alessandria jeweils etwa eine halbe Stunde.

Beste Zeit: Oktober bis Anfang November, wenn die Reben sich färben. Aber der Frühling ist auch wirklich toll. Unter der Woche ist es ruhiger.

Wichtig: Bei allen drei Adressen solltet ihr im Vorfeld reservieren. Öffnungstage und Uhrzeiten ändern sich je nach Saison.

Quellen